Individueller Artikulator

Eine Frau erkannte ihr eigenes Problem anhand der Vorher und Nachher Fotos von Behandlungsfällen, die sie auf meiner Website gesehen hatte: Ihr Gesicht war eingefallen, seit sie die vor einem halben Jahr eingeklebten Zirkoniumbrücken trug.

Dann las sie meine Artikel und entdeckte fast jedes Symptom, das ein fehlerhafter Biss verursachen kann, von Ohrenrauschen über Kopfschmerzen bis zu tauben Armen beim Aufwachen. Bis dahin glaubte sie nicht, dass all das mit ihrem Zahnersatz zusammenhängen könnte.

Sie meldete dies ihrem Zahnarzt, der keine Lösung vorschlagen konnte. Danach wandte sie sich an mich.

Eine Untersuchung ergab Folgendes. Die untere-obere Mittellinie fällt im Biss perfekt zusammen.

Wenn sie auf beiden Seiten auf eine Rolle Watte biss, verschob sich die untere Mittellinie deutlich nach rechts.

All dies macht eine Kompression des linken Kiefergelenks wahrscheinlich. (Die Kaumuskulatur zieht den Kiefer nach rechts, um das Gelenk zu entlasten.)

Die Bisshöhe ist zu niedrig.

Das Kauebene ist nicht richtig.

Das ästhetische Ergebnis lässt auch zu wünschen übrig.

Die Beschwerden der Dame sind also berechtigt.

Ich schickte der Patientin den Behandlungsplan und das Angebot schriftlich, das sie ihrem Zahnarzt zeigte.

Der Kollege sagte, dass die Kiefergelenke definitiv in Ordnung seien, da die Brücken in einem Artikulator mit individuellem Wert hergestellt wurden. Was die Bisshöhe angeht, so habe er den Biss angehoben.

Ich teile meine Antwort in drei Themen auf.

1 \ Kiefergelenke

Die Position der Kondylen hängt ausschließlich vom Biss ab und nicht vom Artikulator, in dem der Zahnersatz hergestellt wird.

2 \ Bisserhöhung

Das Ziel ist es, die Kompression der Gelenke auseinander zu ziehen, d.h. Platz für den Diskus zu schaffen. Dies kann erreicht werden, indem der Biss halbseitig angehoben wird. Die Patientin benötigt auch eine inzisale Bisserhöhung, da ihr Biss gesunken ist. Das Ausmaß hängt von der Harmonie des Gesichts ab.

3 /Individueller Artikulator

Auf der in den 1920er Jahren von Gnathologen bevorzugten Verwendung eines Artikulators mit individuellem Wert zu beharren, ist seit 60 Jahren überholt.

Der Fortschritt in der Entwicklung führte zur Verwendung des Mittelwertartikulators.

[Kleine Erklärung:

Gnathologen betrachten die nicht reproduzierbare Bissnahme als das größte Problem bei der Herstellung von Zahnersatz.

Gnathologen haben empfohlen, die Zähne des Zahnersatzes zu einem ausgeglichenen Biss einzuschleifen. Der Punkt dabei ist, dass der Kiefer von einem Biss zu jedem anderen Biss verschoben werden kann – irgendwo wird es schon gut sein.

Um dies zu erreichen, zeichneten Zahnärzte die Bewegung des Kiefers mit einem Pantographen auf. Zahntechniker schleiften den ausgeglichenen Biss in einem Artikulator ein, der die individuellen Bewegungen des Patienten simulierte. Viel Arbeit bei der Herstellung einer Totalprothese brachte den erwarteten Erfolg.

Gnathologen haben es sich zum Ziel gesetzt, bei allen Arten von Zahnersatz einen ausgewogenen Biss zu erzielen. Ihre Bemühungen scheiterten jedoch bei allen, nicht zahnlosen Patienten. Obwohl die Zahntechniker den Zahnersatz mit besonderer Sorgfalt einschliffen, fanden die Zahnärzte im Mund etwas völlig anderes vor.

Die Ursachen sind jetzt bekannt: mit einem starren Objekt ist es fast hoffnungslos, die physiologische Deformation des Kiefers, die Bewegung der Zähne im Kiefer, die durch Zusammendrücken des Diskus Articularis entstehende Bewegung und die Bewegungen des nicht gesunden Kiefergelenks („verschlissene Kugellager“) nachzuahmen.

Die verzweifelten Bemühungen der Gnathologen wurden von der revolutionären, neuen Theorie der Front-und Eckzahnführung, die hauptsächlich von D’Amico, Stallard und Stuart propagiert wurde, verdrängt. Die Eckzahnführung kann in einem Mittelwertartikulator implementiert werden. Aus diesem Grund kamen in den frühen 1960er Jahren die Pantographen und individuellen Artikulatoren auf den Müll.]

Bei die Behandlung der Dame würde ich in folgender Weise vorgehen: nach Entfernung des vorhandenen Zahnersatzes, Präzisionsabdrucknahme und Einkleben von temporäre Brücken erfolgen Gesichtsbogenregistrierung, axiale Übertragung des oberen Modells auf den Artikulator; Stützstiftregistrierung, einseitige Bisserhöhung, Zuordnung des unteren Modells in Kompression, instrumentelle Bissregistrierung, Bestimmung der Kauebene, Inzisalbisserhöhung, ästhetische Planung.